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Benjeshecken
Definition/Herkunft
Benjeshecken, auch Totholzhecken genannt, sind Hecken die durch linienhafte, lockere Ablagerungen von hauptsächlich dünnerem Gehölzschnitt, wie Ästen und Zweigen, durch Samenanflug oder durch Initialpflanzung entstehen.
Ihr „Erfinder“ Hermann Benjes beschrieb diese Art von Hecke erstmals Ende der 1980er Jahre. Sie ähnelt den alten Feldhecken, welche früher als Grenzmarkierungen zwischen Weide- und Ackerland angelegt wurden, in dem die Bauern Schnittgut locker und bandartig aufeinander schichteten.
Die Anlage von Benjeshecken und ihre verschiedenen Varianten
Bei der Anlage von Benjeshecken nimmt man sich die Natur zur Hilfe. Sie ist deshalb auch eine sehr gut geeignete und naturnahe Variante, da nur standortgerechte Pflanzen wachsen, vorausgesetzt es befindet sich geeignetes Substrat am Standort.
Man unterscheidet zwei Varianten bei der Anlage von Benjeshecken:
1.Anlage nur mit „Hilfe“ der Natur
2.Anlage mit Hilfe des Menschen.
Bei Variante 1 wird als Basis Totholz aufgeschichtet, unter dessen Schutz Samen keimen und geschützt heranwachsen können. Der Samen wird dabei autochthon eingebracht, d.h. auf natürliche Weise durch Vogelkot oder Windflug aus der Umgebung. Während einer Zeitspane von 4-6 Jahren fällt das Totholz in sich zusammen, verrottet und liefert den heranwachsenden Pflanzen Nährstoffe. Je mehr die Hecke in sich zusammensackt, umso mehr wuchert sie mit jungen Pflanzen zu. Jeweils im Herbst kann in den folgenden Jahren weiteres Totholz aufgeschichtet werden. Nach ca. 15-20 Jahren entsteht eine neue Hecke, eine Oase im Grünen.
Fazit: Bei dieser Variante spielt der Zeitfaktor eine wesentliche Rolle und man benötigt viel Geduld bis sich ein „Ergebnis“ einstellt. Deshalb wird häufig eine modifizierte Variante angewandt.
Bei dieser modifizierten Variante hilft man der Natur ein wenig nach, in dem man Samen, Stecklinge oder Jungpflanzen von Sträuchern und Bäumen in die Hecke einbringt. Geeignete Pflanzen sind: Waldrebe (Clematis spec.), Hopfen (Humulus lupulus), Knöterich (Polygonum spec.) und Zaunwinde (Calystegia sepium). Bei genügend Raum für die Hecke kann diese auch von innen mit heimischen Sträuchern und Baumarten wie Schlehe (Prunus spinosa), Hasel (Corylus avellana), Hundsrose (Rosa canina), Holunder (Sambucus nigra), Weißdorn (Crataegus spec.), Feldahorn (Acer campestre), Eiche (Quercus spec.) und Hainbuche (Carpinus betulus) begrünt werden.
Für diese Variante ist folgende Reihenfolge bei der Anlage anzuwenden:
1.Grasnarbe entfernen
2.Sträucher oder Bäume pflanzen (je nach angestrebter Größe der Hecke)
3.Mit Gehölzschnitt bedecken
Das bedeutet im Einzelnen: Nachdem die Grasnarbe abgetragen wurde, steckt man die Totholzäste einzeln ineinander und verzahnt sie fischgrätenartig. Man beachte, dass die dicken Astenden immer zur Heckenmitte ausgerichtet werden. Die dabei entstehende Fächerform trägt zur Standsicherheit der Hecke bei.
Bei geringerem Platzangebot benutzt man Baumpfähle, um die Hecke zu begrenzen. Die Pfähle steckt man im Abstand von 1-2m in zwei Reihen. Der Abstand zwischen den beiden Reihen sollte 50cm bis 1m betragen. Die Äste werden dann wie oben beschrieben zwischen die Pfahlreihen bis zu 1,50m aufgeschichtet. Zum Ausfüllen von Lücken können Baumstümpfe, Laub und Rasenschnitt verwendet werden. Bringt man Baumstümpfe und Starkholz als Haufen in die Hecke ein, kann man so ein weiteres Sonderbiotop schaffen. Besonders viele Insektenarten finden hier einen Lebensraum.
Was bei der Anlage zu beachten ist
1.Benjesheckenmaterial ist vor der Verarbeitung gut zu mischen.
2.Am besten eignen sich sperrige Äste z.B.: Eiche
3.Finger weg von Birke, Linde und Roterle, da ihr Holz zu weich ist und zu schnell verottet.
4.Gar nicht geeignet sind Nadelhölzer.
5.Auch sollte man keine Exoten einbringen, auf keinen Fall ausschlagfreudige und fruchttragende Pflanzen.
6.Das trifft auch auf bestimmte sehr ausschlagfreudige einheimische Arten zu, die besser nicht verwendet werden sollten, da sie weniger konkurrenzfähige Arten eventuell verdrängen.
7.Optisch wirkt eine Benjeshecke nicht gerade aufgeräumt, bildet eine eher verwilderte Ecke im Garten.
8.Die Anlage einer Benjeshecke ist nicht überall sinnvoll. Vor allem an Standorten wo die Spontanvegetation nicht naturnah ist, sollte man auf eine solche Hecke verzichten, da durch sie benachbarte Biotope und Vegetation gefährdet wären.
Warum sind Landschaftselemente wie Benjeshecken so bedeutsam
Im Zuge der Industrialisierung und Technisierung erfolgte eine zunehmende Urbanisierung der Landschaft. Sie wurde zersiedelt, die Lebensräume zerschnitten und die Landwirtschaft stark intensiviert und die zu bearbeitende Fläche stark vergrößert. Es entstand eine instabile, flurbereinigte und zerstückelte Landschaft mit sogenannten Inselbiotopen.
Viele seltene Tier- und Pflanzenarten können nur in diesen Inselbiotopen überleben, da sie oft spezielle Habitat- bzw. Standortansprüche besitzen. Die intensiv genutzten Flächen sind Barrieren zwischen den Inselbiotopen und stellen eine Bedrohung für diese Arten dar.
In solchen ausgeräumten Landschaften haben Hecken eine bedeutende ökologische Funktion. Sie leisten einen wesentlichen Beitrag zum Biotopverbund, vernetzen und verbinden die Rest- bzw. Inselbiotope. Dadurch ist ein genetischer Austausch zwischen den verblieben Inselbiotopen möglich und somit auch das Überleben der Arten. Die Anlage von Hecken trägt somit zur Regenerierung von Flora und Fauna bei. Zusätzlich leisten die Hecken einen Beitrag zum Boden bzw. Erosionsschutz und zur Entstehung von Mikroklimaten in der Feldflur. In Gärten kommen den Hecken weitere Funktionen wie Sicht-, Lärm- und Windschutz hinzu.
Benjeshecken besonders dort sinnvoll wo sie einen Beitrag zum Naturschutz und Biotopverbund.
